Die Ursachen der Krampfadern

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Krampfadern entstehen im Allgemeinen aus mehreren Ursachen. Oft liegt eine anlagebedingte Bereitschaft zu diesen Veränderungen der Beinvenen vor, die allein aber meist nicht genügt, um die Krankheit zu verursachen. Erst wenn noch andere Faktoren hinzukommen, die häufig mit Fehlern der Lebensweise in Zusammenhang stehen, treten schließlich die Erweiterungen und Schlängelungen der Beinvenen auf.

 Bindegewebsschwäche und andere Erbfaktoren

Die Venenwand besteht aus 3 Schichten. In der mittleren, die das elastische Gerüst der Vene darstellt, befinden sich vor allem Bindegewebsfasern. Zusammen mit den Muskelfasern, die gleichfalls in der Mittelschicht der Venenwand vorhanden sind, gewährleisten sie die elastische Anpassung der Venen durch Zusammenziehung oder Erweiterung an den unterschiedlichen Blutstrom. 

Bindegewebsschwäche bedeutet, dass die elastischen Bindegewebsfasern im Laufe des Lebens zum Teil vorzeitig zugrunde gehen. Das hat zur Folge, dass sich die Elastizität der Venenwand verringert. Zwar kann sie sich bei größerem Blutandrang noch gut ausdehnen, aber nicht mehr vollständig zusammenziehen. Deshalb schließen auch die Venenklappen nicht mehr dicht, und ein Teil des Bluts versackt in den Beinvenen. Dem Druck, den es auf die funktionsgeschwächte Venenwand ausübt, hält diese nicht lange stand. Bald erweitern sich die betroffenen Venen, schlängeln sich und nehmen wegen des darin gestauten sauerstoffarmen Bluts eine bläuliche Färbung an - Krampfadern sind entstanden. In erster Linie betreffen sie die oberflächlichen Beinvenen, es gibt aber auch äußerlich nicht erkennbare Krampfadern der tiefen Venen. Ungünstige Erbanlagen scheinen eine wichtige Rolle zu spielen, denn sie tritt oft familiär gehäuft auf. Daneben muss aber auch an Kieselsäuremangel gedacht werden; denn dieser anorganische Vitalstoff kommt in der heute üblichen Zivilisationskost häufig in zu geringer Menge vor.

Die Folgen der Bindegewebsschwäche beschränken sich übrigens nicht auf die Venen, sondern können auch noch eine Reihe anderer Erkrankungen begünstigen. Dazu gehören vor allem Hämorrhoiden. Bauchwand-(Eingeweide-)brüche, auffällige Neigung zu Verrenkungen, Verstauchungen und Zerrungen, weil die Sehnen, Muskelscheiden und Gelenkkapseln zu schwach entwickelt sind, Senkungen der Bauch- und Unterleibsorgane und nicht zuletzt die allgemeine Haltungsschwäche, die schon in jungen Jahren zu stärkeren Schädigungen der Bandscheiben führt. Da das Bindegewebe überall im Körper vorkommt und das Reservoir für die Zellen bildet, geht man sogar davon aus, dass seine Funktionsfähigkeit mit über Altern und Tod entscheidet.

So bedeutsam die Bindegewebsschwäche für die Entstehung der Krampfadern ist, darf man doch nicht vergessen, dass sie in den meisten Fällen nur die Grundlagen für die Krankheit schafft und keineswegs jeder, der darunter leidet, tatsächlich an Krampfadern erkranken muss. Das hängt im Allgemeinen davon ab, ob noch weitere Krankheitsfaktoren hinzukommen. Abgesehen von der anlagebedingten Bindegewebsschwäche gibt es wahrscheinlich noch andere Erbanlagen, die bei der Entstehung von Krampfadern eine Rolle spielen können. Der Verdacht darauf besteht, wenn Beinvenenleiden familiär gehäuft vorkommen, dafür aber keine Bindegewebsschwäche erkennbar ist. Aber auch hier gilt, dass die ungünstigen Anlagen oft erst dann zur akuten Erkrankung führen können, wenn weitere Krankheitsursachen hinzutreten. Durch gesundheitsbewußte Lebens- und Ernährungsweise dagegen lassen sie sich häufig ein Leben lang in Schach halten.

Der Bewegungsmangel

Auch wenn das Blut in den Venen durch verschiedene Mechanismen in Fluss gehalten wird, spielt die »Venen-Muskel-Pumpe« dabei doch die entscheidende Rolle. Jede Muskelbewegung führt zum Druck auf die benachbarten Venen, der das Blut nach oben presst. Dieser Pumpdruck ist für den venösen Blutstrom so wichtig, dass man grundsätzlich feststellen kann: Ohne ausreichende Bewegung bleiben auch kräftige, nicht durch Bindegewebsschwäche in ihren Funktionen eingeschränkte Venen auf Dauer nicht gesund, sondern neigen zumindest zu leichteren Krampfadern, aus denen später ernstere Komplikationen entstehen können. Wenn dann noch Bindegewebsschwäche und andere Krankheitsfaktoren hinzukommen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit stärkerer Krampfaderbildung und anderer Beinvenenleiden.

Die körperliche Bewegung, die der heutige Mensch sich verschafft, genügt meist nicht, um ausreichenden Pumpdruck auf die Beinvenen auszuüben. So kommt nur durch die unvermeidlichen Bewegungen ein zu geringer venöser Blutstrom in Gang; er verhindert Krampfadern einige Zeit, aber nicht dauernd. Dagegen gibt es nur ein »Rezept«: ausreichende und regelmäßige Bewegung möglichst von früher Jugend bis ins hohe Alter. Auch wer bereits unter Krampfadern leidet, darf nicht auf Bewegung verzichten, sofern der Therapeut das im begründeten Einzelfall nicht ausdrücklich für einige Zeit verordnet. Gymnastik und Sport gewährleisten nicht nur die ungestörten Funktionen der Beinvenen, sondern wirken darüber hinaus auch ungünstigen Erbanlagen und anderen Krankheitsfaktoren entgegen. Davon abgesehen dienen sie der allgemeinen Gesundheitspflege, die viele andere Zivilisationskrankheiten zu vermeiden hilft. Problematisch wird die Bewegungstherapie bei Menschen, die wegen Krankheiten, Operationen und ähnlichen Ursachen längere Zeit das Bett nicht verlassen dürfen. Bei ihnen erhöht sich die Gefahr, dass Krampfadern entstehen, sich verschlimmern oder Komplikationen auftreten. Um dem vorzubeugen, lässt man heute die Patienten nach einer Operation so früh wie möglich wieder aufstehen und wenigstens für kurze Zeit leichte Bewegungen durchführen. Solange das unmöglich ist, bleibt das isometrische Muskeltraining, das auch von streng Bettlägerigen nach fachmännischer Anleitung regelmäßig absolviert werden kann. Dabei werden die Muskeln angespannt und wieder gelockert, aber keine Bewegungen durchgeführt. Allein dadurch erzielt man bei richtigem Üben bereits eine für die Dauer der strengen Bettruhe ausreichende Anregung des venösen Blutstroms. Sobald wie möglich muss dann aber zur aktiven Bewegung übergegangen werden, denn auf längere Sicht genügt das isometrische Training natürlich nicht. Bei der Bewegungstherapie wird besonders deutlich, dass Vorbeugung und Behandlung der Krampfadern und ihrer Komplikationen nur bei aktiver Mitarbeit des Gefährdeten oder Betroffenen erfolgreich möglich ist. Je früher man damit beginnt, desto zuverlässiger lassen sich die Beinvenenkrankheiten vermeiden.

Langes Sitzen und Stehen

Diese beiden weitverbreiteten Ursachen der Krampfadern stehen in engem Zusammenhang mit dem Bewegungsmangel. Viele Menschen sitzen den ganzen Tag bei der Arbeit, setzen sich dann ins Auto und zu Hause gleich wieder vor den Fernsehapparat. Dadurch wird die »Venen-Muskel-Pumpe« immer weiter geschwächt, bis sie ihre Aufgaben kaum noch wahrnehmen kann.

Neben der Verkümmerung der Muskulatur kommt beim Sitzen noch hinzu, dass dabei eine wichtige Vene an der Rückseite des Beins abgeknickt wird, so dass kaum noch Blut durchfließen kann. Die anderen Venen müssen daher mehr Blut aufnehmen, es staut sich und führt schließlich zur Venenerweiterung. Schlimmstenfalls tritt nach längerem Sitzen sogar eine akute Venenthrombose auf. Bekannt sind zum Beispiel die »Flugzeugthrombose« nach längeren Flugreisen und die »Fernsehthrombose« nach stundenlangem Sitzen vor dem Bildschirm.

Zur Vorbeugung der Folgen des längeren Sitzens empfiehlt es sich, zwischendurch immer wieder einmal umherzugehen, um den venösen Blutstrom anzuregen. Nach Möglichkeit sollten einige spezielle gymnastische Übungen für die Beine durchgeführt werden, um die durchblutungsfördernde Wirkung zu verbessern.

Längeres Stehen bedeutet ebenso wie Sitzen zunächst Bewegungsmangel, der die Muskulatur allmählich verkümmern lässt. Hinzu kommt, dass sich das Blut - der Schwerkraft folgend - vermehrt in den Beinvenen staut, wenn die »Venen-Muskel-Pumpe« nicht ausreichend funktioniert. So entstehen Krampfadern, werden verschlimmert und Komplikationen hervorgerufen. Deshalb gilt auch hier, dass man zwischen durch immer wieder umhergehen und möglichst Beingymnastik betreiben muss. Wer bereits unter Krankheiten der Beinvenen leidet, sollte möglichst keinen Beruf ausüben, der längeres Stehen erfordert.

Falsche Schuhe und Kleidung

Die Rolle der Kleidung, insbesondere des Schuhwerks, bei der Entwicklung und Verschlimmerung von Krampfadern und anderen Beinvenenleiden wird oft unterschätzt. Zwar führen sie allein kaum zu akuten Erkrankungen dieser Art, aber wenn andere Risikofaktoren bestehen, bringen sie oft das Fass zum Überlaufen, wirken also als letzter Auslöser. Bei der Kleidung sind es vor allem zu enge Rock-, Hosenbünde, Gürtel, Korsagen, Strumpfhalter und Strümpfe, die den venösen Blutstrom in den Beinen behindern können. Es kommt dann zu Blutstauungen, die Venenwand wird zunehmend geschwächt und erweitert sich schließlich unter dem Druck des gestauten Bluts. Deshalb muss vorbeugend immer auf gut sitzende, nicht beengende Kleidung geachtet werden. Zu Hause trägt man möglichst locker sitzende, legere Freizeitkleidung und geht so häufig wie möglich ohne Strümpfe um her, damit die Durchblutung der Beinvenen nicht unnötig behindert wird.

Bei den Schuhen gelten vor allem zu hohe Absätze als Mitverursacher von Krampfadern. Sie zwingen zu einer unnatürlichen Körperhaltung, die den Druck in den Venen absinken und die Wadenmuskulatur verkümmern lässt. Dadurch können bei entsprechender Anlage bald Krampfadern ausgelöst werden.

Optimal trainiert man die »Venen-Muskel-Pumpe« durch Schuhe ohne Absätze, an die man sich rasch gewöhnt. Bevorzugt trägt man diese gesunden Schuhe, die auch den verbreiteten Schäden am Fußskelett vorbeugen, beim Gehen und Wandern, weil sie die Wirkung der Bewegung verbessern. Natürlich gibt es Anlässe, bei denen man diese sportlichen Schuhe kaum tragen kann. Dann bevorzugt man Schuhwerk mit möglichst niederen Absätzen. Die hohen Stöckelschuhe, die von vielen Frauen unkritisch sogar regelmäßig getragen werden, dürfen allenfalls einmal für kurze Zeit, nie häufiger verwendet werden, sonst programmiert man Krampfadern, Bandscheibenschäden und andere Störungen des Stütz- und Bewegungsapparats geradezu vor.

Schwangerschaft als Risikofaktor

Obwohl die Schwangerschaft die natürlichste Sache der Welt ist, beginnen damit nicht selten die Probleme mit den Beinvenen. In der Regel kommt es dazu aber erst dann, wenn Bindegewebsschwäche besteht; die Schwangerschaft wirkt dann lediglich als Auslöser, nicht als die eigentliche Ursache. Krampfadern, Venenentzündungen und sogar Thrombosen als Komplikationen der Schwangerschaft erklären sich hauptsächlich aus den ungünstigen Durchblutungsverhältnissen im weiblichen Becken. Wenn das Kind im Mutterleib heranwächst, werden die Blutgefäße im Beckenraum zunehmend beengt, und das venöse Blut staut sich zurück, bis die Venen seinem Druck dann oft nicht mehr standhalten, sondern sich erweitern und schlängeln. Wahrscheinlich spielen daneben aber auch noch hormonelle Veränderungen infolge der Schwangerschaft eine nicht unwesentliche Rolle. Zur Vorbeugung solcher Schwangerschaftskomplikationen empfiehlt es sich, regelmäßig Spezialgymnastik durchzuführen, besonders sorgfältig auf die regelmäßige Darmentleerung zu achten und bei bekannter Bindegewebsschwäche möglichst schon vor der geplanten Schwangerschaft Kieselsäure einzunehmen. Besonders dringend notwendig ist das bei bekannter Veranlagung zu Beinvenenleiden.

Da auch Übergewicht das Risiko von Krampfadern und anderen Komplikationen während der Schwangerschaft erheblich steigert, sollten die überflüssigen Pfunde vor der geplanten Schwangerschaft normalisiert werden.

Chronische Darmträgheit

Abgesehen vom Bewegungsmangel gehört die chronische Stuhlverstopfung zu den häufigsten zivilisationsbedingten Ursachen der Krampfadern und anderer Beinvenenleiden. Im Prinzip erklärt sich das wie bei der Schwangerschaft durch die behinderte Durchblutung im Beckenraum, die zum Rückstau des venösen Bluts in den Beinen führt. Dabei darf man nicht vergessen, dass die chronische Darmträgheit oft mit durch Bewegungsmangel entsteht, der gleichzeitig Venenerkrankungen begünstigt.

Die Verstopfung ist heute zu einer wahren »Zivilisationsseuche« geworden, unter der zahlreiche Menschen vorübergehend oder dauernd leiden. Häufig steht sie mit der üblichen falschen Zivilisationskost in Zusammenhang, die zu wenig Ballaststoffe enthält. Deshalb fehlt der Füllungsreiz auf die Darmwand, der die regelmäßige Entleerung in Gang bringt. Dagegen hilft nur eine grundlegende Reform der falschen Ernährung, die auf einen hohen Anteil pflanzlicher Frischkost mit ausreichend Ballaststoffen umgestellt werden muss. Zugleich führt diese Vollwertkost genügend Kieselsäure gegen die Bindegewebsschwäche und alle anderen lebenswichtigen Vitalstoffe zu, pflegt also ganzheitlich die Gesundheit und verhindert viele Krankheiten.

Auch wenn bereits Krampfadern bestehen, ist eine Umstellung der Ernährung auf gesunde Vollwertkost unentbehrlich, damit sich die Beinvenenerkrankungen nicht durch häufige Stuhl Verstopfung zunehmend verschlimmern und Venenentzündungen oder sogar Thrombosen auftreten. Gleichzeitig erreicht man dadurch eine Kontrolle des Körpergewichts, die bei Beinvenenleiden ebenfalls wichtig ist.

Das Übergewicht

Als letzte wichtige Ursache der Krampfadern und anderer Beinvenenleiden gilt das Übergewicht, das ebenfalls mit zivilisationsbedingten falschen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten in Zusammenhang steht. Es gehört zu den häufigsten Gesundheitsrisiken des heutigen Menschen und kann seine Lebenserwartung um Jahre bis Jahrzehnte verkürzen. Deshalb ist es nicht allein zur Vorbeugung oder Behandlung von Venenleiden wichtig, das Übergewicht zu normalisieren, sondern ganz allgemein zur Gesundheitsvorsorge. Besonders bedeutsam ist die Gewichtskontrolle bei Schwangeren. Nach der Statistik treten zum Beispiel bei 18,3 % aller Schwangeren mit Normalgewicht Krampfadern und bei 5,5 % Thrombosen auf, bei übergewichtigen Schwangeren steigt die Zahl dieser Komplikationen auf 48,9 % Krampfadern und 10,1 % Thrombosen.

Fast immer erklärt sich Übergewicht aus falscher, zu Kalorien reicher Ernährung; hinzu kommt meist noch Bewegungsmangel, der Venenleiden ebenfalls begünstigt. Zur dauerhaften Beseitigung der überflüssigen Pfunde ist also eine Schlankheitsdiät mit vermindertem Kaloriengehalt erforderlich, die durchgehalten wird, bis man das Normalgewicht erreicht hat; danach muss durch entsprechende Ernährung dafür gesorgt werden, dass nicht erneut Übergewicht auftritt. Wunderkuren und Arzneimittel, die Abnehmen ohne Mühe versprechen, können zwar vorübergehend helfen, schützen jedoch nicht dauernd vor erneutem Übergewicht, weil die falschen Gewohnheiten dadurch nicht beseitigt werden. Davon abgesehen bilden sie nicht selten sogar eine Gefahr für die Gesundheit, die sich schlimmer als das Übergewicht auswirken kann. Die Beseitigung des Übergewichts gehört zu den ergänzenden Maßnahmen in der Vorbeugung oder Behandlung von Krampfadern und anderen Beinvenenleiden. Allein dadurch erzielt man meist noch keine deutliche Besserung, aber ohne sie gelingt es nicht optimal, erfolgreiche Vorsorge und Therapie zu betreiben.

Bei den Hauptursachen der Venenerkrankungen handelt es sich größtenteils um »hausgemachte« Krankheitsfaktoren, die mit unserer Lebens- und Ernährungsweise in Zusammenhang stehen. Deshalb lassen sie sich im Grunde einfach vermeiden.