Vorbeugung der Krampfadern

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Krampfadern und ihre Folgekrankheiten entstehen im Allgemeinen stets aus mehreren Ursachen, die zum Teil mit zivilisationsbedingten Fehlern der Lebensweise in Zusammenhang stehen. Deshalb lassen sie sich auch nicht durch einzelne Maßnahmen vermeiden oder bessern, sondern nur durch ein umfassendes Programm. Es besteht hauptsächlich aus der Bewegungstherapie, Kaltwasseranwendungen, richtiger Bekleidung und gutem Schuhwerk, Kieselsäure gegen die Bindegewebsschwäche und verschiedenen anderen Naturheilmitteln und setzt stets die aktive Mitarbeit des Gefährdeten oder Kranken voraus.

Am besten beginnt man so frühzeitig wie möglich mit der konsequenten Vorbeugung der Krampfadern; das gilt insbesondere bei bekannter ungünstiger Veranlagung dazu, die auf diese Weise lebenslang in Schach gehalten werden kann. Spätestens beim Auftreten der ersten Frühwarnzeichen, also Schweregefühl, Schwellungen und Schmerzen in den Beinen, ist es höchste Zeit, die Behandlung einzuleiten, um die Ausbildung des vollen Krankheitsbildes zu verhindern. Aber auch wenn bereits Krampfadern bestehen, helfen auf Dauer keine bequemen Arzneimittel, sondern nur die aktiven Maßnahmen, die wir jetzt vorstellen werden. Zur Vermeidung von Fehlern, die zu Komplikationen führen könnten, muss die Selbsthilfe aber vorsorglich mit dem Fachmann abgesprochen werden.

Bewegung stärkt die Venen-Muskel-Pumpe

Ausreichend körperliche Bewegung gilt als der wichtigste »Motor« des Blutstroms in den Venen. Sie ist deshalb unentbehrlich zur Vorbeugung und Grundbehandlung fast aller Beinvenenleiden, ausgenommen akute Venenentzündungen und Thrombosen der tiefen Beinvenen und Krampfaderblutungen. An der täglichen Bewegung führt kein Weg vorbei, auch wenn der bewegungsfaule heutige Mensch das oft nur ungern hören und befolgen wird. Wenn man die möglichen Komplikationen der Krampfadern bedenkt, sollte die vergleichsweise geringe Mühe des täglichen Trainings nicht gescheut werden, insbesondere, weil es ja der Gesundheit insgesamt zugutekommt.

Atemgymnastik fordert die Durchblutung

Rund die Hälfte aller Bewohner der Industriestaaten atmen zu kurz und oberflächlich. Auch wenn die Atmung im Vergleich zur »Venen-Muskel-Pumpe« beim venösen Blutstrom keine so hervorragende Rolle spielt, darf sie bei der Vorbeugung und Therapie von Venenleiden doch nicht vernachlässigt werden.

Der Sog in den Venen kommt hauptsächlich durch die Arbeit des Zwerchfells beim Atmen zustande, deshalb trainiert man die tiefe Bauchatmung. Dadurch erzielt man gleich noch eine Anregung des Stuhlgangs, die für die Vorbeugung und Behandlung der Beinvenenleiden ebenfalls sehr wichtig ist. Atemgymnastik absolviert man täglich 2mal unter offenem Fenster oder im Freien. Bei jeder Übung genügen 10-15 tiefe Atemzüge, jede Übertreibung kann die Atemfehlhaltungen noch verschlimmern. Die Übung wird wie folgt durchgeführt: Aufrecht unter das geöffnete Fenster stellen; einmal so tief wie möglich ausatmen. Danach ganz tief einatmen, wobei sich der Bauch deutlich sichtbar vorwölbt; den Atem kurz anhalten (aber nicht pressen) und dann wieder so tief wie möglich ausatmen. Insgesamt 10-15 Atemzüge durchführen, am besten morgens gleich nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen. Regelmäßiges Atemtraining führt dazu, dass man bald überall automatisch tief durchatmet und dadurch den venösen Blutstrom fördert.

Menschen, die unter organischen Herz- oder Lungenkrankheiten leiden, dürfen Atemübungen nur mit Erlaubnis ihres Therapeuten absolvieren, da sonst Komplikationen auftreten könnten. Manche müssen darauf verzichten oder spezielle Übungen nach Anleitung des Fachmanns anwenden. Abgesehen von der speziellen Atemgymnastik bewirken natürlich auch regelmäßige Gymnastik und der Sport eine vertiefte Atmung, weil wir bei jeder körperlichen Anstrengung automatisch tiefer atmen müssen.

Schwimmen und andere Sportarten

Zusätzlich zur Gymnastik muss für die Vorbeugung und Grundbehandlung von Beinvenenleiden regelmäßig Sport getrieben werden. Als Mindestmaß gelten 3- bis 4mal wöchentlich je 15-30 Minuten Sport an der frischen Luft. Darüber hinaus nutzt man im Alltag jede Gelegenheit zur körperlichen Bewegung. Unter den Sportarten ist vor allem das Schwimmen hervorzuheben. Dabei erzielt man 2 Wirkungen auf die Venen:

• Der Kältereiz des Wassers bewirkt eine Verengung der oberflächlichen Venen mit verstärktem Blutstrom und Kräftigung der Venenwände;

• die Muskelarbeit beim Schwimmen stärkt die »Venen-Muskel-Pumpe«, und der vermehrte Blutstrom zum Herzen wird erleichtert, weil der Körper sich in Bauch- oder Rückenlage waagerecht im Wasser befindet, also nicht erst die Schwerkraft bei der Pumparbeit überwunden werden muss.

Wegen dieser positiven Wirkungen, die bei keiner anderen Sportart erreichbar sind, sollten möglichst alle Patienten mit Beinvenenleiden 2- bis 3mal wöchentlich zum Schwimmen gehen. Die Schwimmstrecke wird allmählich entsprechend dem verbesserten Leistungsvermögen gesteigert. Wichtig ist vor allem noch, dass man nicht in zu warmem Wasser schwimmt, weil sonst der Kältereiz fehlt; die Wassertemperatur sollte 20-22°C nicht übersteigen, die heute oft übliche Temperierung des Badewassers auf 25-30 °C oder das noch wärmere Thermalbad eignen sich für Venenkranke grundsätzlich nicht. Neben dem Schwimmsport, der die Grundlage des Trainings bilden sollte, eignen sich noch andere Sportarten, die Beinmuskelarbeit erfordern, hauptsächlich Wandern, Joggen (leichter Dauerlauf), Radfahren, Tennis, Golf und andere Spiele, bei denen die Beinmuskulatur angestrengt wird, im Winter auch Skilanglauf. Diese Sportarten sollten je nach persönlichen Vorlieben regelmäßig zusätzlich zum Schwimmen betrieben werden.

Für den Sport gilt ebenso wie für die Gymnastik, dass jede Überforderung zu vermeiden ist. Insbesondere plötzliche kurze Kraftanstrengungen eignen sich nicht zur Gesundheitsvorsorge; vielmehr geht es darum, die »Venen-Muskel-Pumpe« allmählich zu kräftigen, also die Ausdauer der Muskulatur zu steigern. Das erreicht man nur durch mäßiges, langsam dem verbesserten Leistungsstand angepasstes, regelmäßig absolviertes Training.

Gewarnt werden müsste vor allen Sportarten mit höherem Verletzungsrisiko, zum Beispiel vor dem Fußballspielen. Durch eine bei Gesunden harmlose Sportverletzung kann eine schwer stillbare Krampfaderblutung oder ein chronisches Unterschenkelgeschwür entstehen. Diese Gefahr sollte man nicht in Kauf nehmen.

Jede Gelegenheit zum Gehen nutzen

Gymnastik und Sport ergänzt man im Alltag zwanglos durch häufiges Gehen, das die »Venen-Muskel-Pumpe« zusätzlich trainiert. Bei alten Menschen kann der regelmäßige Spaziergang in flottem Tempo sogar den Sport (aber nicht die spezielle Gymnastik) ersetzen; wenn das körperliche Leistungsvermögen aber Sport zulässt, sollten sie trotzdem wenigstens noch leichten Sport betreiben, sofern der Therapeut das nicht ausdrücklich verbietet. Zum Gehen bieten sich zahlreiche Möglichkeiten. So kann man zum Beispiel kürzere Wege, etwa zum Einkaufen, zu Fuß zurücklegen oder wenigstens einen Teil des Wegs zur Arbeit gehen, vielleicht auch den gesamten Weg mit dem Fahrrad zurücklegen. Außerdem sollte möglichst immer auf Rolltreppen und Fahrstühle verzichtet werden, denn auch das Treppensteigen bringt die venöse Durchblutung gut auf Trab. Schließlich gehören vor allem an den Wochenenden längere Spaziergänge, ausgedehnte Wanderungen oder Radtouren zur sinnvollen Freizeitgestaltung, die Spaß macht und der Venen pflege dient. Sie soll zum gesunden Hobby werden, das man am besten gemeinsam mit der Familie, Freunden und Bekannten pflegt, um die sozialen Kontakte zu verbessern.