Vorbeugung der Krampfadern

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Krampfadern und ihre Folgekrankheiten entstehen im Allgemeinen stets aus mehreren Ursachen, die zum Teil mit zivilisationsbedingten Fehlern der Lebensweise in Zusammenhang stehen. Deshalb lassen sie sich auch nicht durch einzelne Maßnahmen vermeiden oder bessern, sondern nur durch ein umfassendes Programm. Es besteht hauptsächlich aus der Bewegungstherapie, Kaltwasseranwendungen, richtiger Bekleidung und gutem Schuhwerk, Kieselsäure gegen die Bindegewebsschwäche und verschiedenen anderen Naturheilmitteln und setzt stets die aktive Mitarbeit des Gefährdeten oder Kranken voraus.

Am besten beginnt man so frühzeitig wie möglich mit der konsequenten Vorbeugung der Krampfadern; das gilt insbesondere bei bekannter ungünstiger Veranlagung dazu, die auf diese Weise lebenslang in Schach gehalten werden kann. Spätestens beim Auftreten der ersten Frühwarnzeichen, also Schweregefühl, Schwellungen und Schmerzen in den Beinen, ist es höchste Zeit, die Behandlung einzuleiten, um die Ausbildung des vollen Krankheitsbildes zu verhindern. Aber auch wenn bereits Krampfadern bestehen, helfen auf Dauer keine bequemen Arzneimittel, sondern nur die aktiven Maßnahmen, die wir jetzt vorstellen werden. Zur Vermeidung von Fehlern, die zu Komplikationen führen könnten, muss die Selbsthilfe aber vorsorglich mit dem Fachmann abgesprochen werden.

Bewegung stärkt die Venen-Muskel-Pumpe

Ausreichend körperliche Bewegung gilt als der wichtigste »Motor« des Blutstroms in den Venen. Sie ist deshalb unentbehrlich zur Vorbeugung und Grundbehandlung fast aller Beinvenenleiden, ausgenommen akute Venenentzündungen und Thrombosen der tiefen Beinvenen und Krampfaderblutungen. An der täglichen Bewegung führt kein Weg vorbei, auch wenn der bewegungsfaule heutige Mensch das oft nur ungern hören und befolgen wird. Wenn man die möglichen Komplikationen der Krampfadern bedenkt, sollte die vergleichsweise geringe Mühe des täglichen Trainings nicht gescheut werden, insbesondere, weil es ja der Gesundheit insgesamt zugutekommt.

Atemgymnastik fordert die Durchblutung

Rund die Hälfte aller Bewohner der Industriestaaten atmen zu kurz und oberflächlich. Auch wenn die Atmung im Vergleich zur »Venen-Muskel-Pumpe« beim venösen Blutstrom keine so hervorragende Rolle spielt, darf sie bei der Vorbeugung und Therapie von Venenleiden doch nicht vernachlässigt werden.

Der Sog in den Venen kommt hauptsächlich durch die Arbeit des Zwerchfells beim Atmen zustande, deshalb trainiert man die tiefe Bauchatmung. Dadurch erzielt man gleich noch eine Anregung des Stuhlgangs, die für die Vorbeugung und Behandlung der Beinvenenleiden ebenfalls sehr wichtig ist. Atemgymnastik absolviert man täglich 2mal unter offenem Fenster oder im Freien. Bei jeder Übung genügen 10-15 tiefe Atemzüge, jede Übertreibung kann die Atemfehlhaltungen noch verschlimmern. Die Übung wird wie folgt durchgeführt: Aufrecht unter das geöffnete Fenster stellen; einmal so tief wie möglich ausatmen. Danach ganz tief einatmen, wobei sich der Bauch deutlich sichtbar vorwölbt; den Atem kurz anhalten (aber nicht pressen) und dann wieder so tief wie möglich ausatmen. Insgesamt 10-15 Atemzüge durchführen, am besten morgens gleich nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen. Regelmäßiges Atemtraining führt dazu, dass man bald überall automatisch tief durchatmet und dadurch den venösen Blutstrom fördert.

Menschen, die unter organischen Herz- oder Lungenkrankheiten leiden, dürfen Atemübungen nur mit Erlaubnis ihres Therapeuten absolvieren, da sonst Komplikationen auftreten könnten. Manche müssen darauf verzichten oder spezielle Übungen nach Anleitung des Fachmanns anwenden. Abgesehen von der speziellen Atemgymnastik bewirken natürlich auch regelmäßige Gymnastik und der Sport eine vertiefte Atmung, weil wir bei jeder körperlichen Anstrengung automatisch tiefer atmen müssen.

Schwimmen und andere Sportarten

Zusätzlich zur Gymnastik muss für die Vorbeugung und Grundbehandlung von Beinvenenleiden regelmäßig Sport getrieben werden. Als Mindestmaß gelten 3- bis 4mal wöchentlich je 15-30 Minuten Sport an der frischen Luft. Darüber hinaus nutzt man im Alltag jede Gelegenheit zur körperlichen Bewegung. Unter den Sportarten ist vor allem das Schwimmen hervorzuheben. Dabei erzielt man 2 Wirkungen auf die Venen:

• Der Kältereiz des Wassers bewirkt eine Verengung der oberflächlichen Venen mit verstärktem Blutstrom und Kräftigung der Venenwände;

• die Muskelarbeit beim Schwimmen stärkt die »Venen-Muskel-Pumpe«, und der vermehrte Blutstrom zum Herzen wird erleichtert, weil der Körper sich in Bauch- oder Rückenlage waagerecht im Wasser befindet, also nicht erst die Schwerkraft bei der Pumparbeit überwunden werden muss.

Wegen dieser positiven Wirkungen, die bei keiner anderen Sportart erreichbar sind, sollten möglichst alle Patienten mit Beinvenenleiden 2- bis 3mal wöchentlich zum Schwimmen gehen. Die Schwimmstrecke wird allmählich entsprechend dem verbesserten Leistungsvermögen gesteigert. Wichtig ist vor allem noch, dass man nicht in zu warmem Wasser schwimmt, weil sonst der Kältereiz fehlt; die Wassertemperatur sollte 20-22°C nicht übersteigen, die heute oft übliche Temperierung des Badewassers auf 25-30 °C oder das noch wärmere Thermalbad eignen sich für Venenkranke grundsätzlich nicht. Neben dem Schwimmsport, der die Grundlage des Trainings bilden sollte, eignen sich noch andere Sportarten, die Beinmuskelarbeit erfordern, hauptsächlich Wandern, Joggen (leichter Dauerlauf), Radfahren, Tennis, Golf und andere Spiele, bei denen die Beinmuskulatur angestrengt wird, im Winter auch Skilanglauf. Diese Sportarten sollten je nach persönlichen Vorlieben regelmäßig zusätzlich zum Schwimmen betrieben werden.

Für den Sport gilt ebenso wie für die Gymnastik, dass jede Überforderung zu vermeiden ist. Insbesondere plötzliche kurze Kraftanstrengungen eignen sich nicht zur Gesundheitsvorsorge; vielmehr geht es darum, die »Venen-Muskel-Pumpe« allmählich zu kräftigen, also die Ausdauer der Muskulatur zu steigern. Das erreicht man nur durch mäßiges, langsam dem verbesserten Leistungsstand angepasstes, regelmäßig absolviertes Training.

Gewarnt werden müsste vor allen Sportarten mit höherem Verletzungsrisiko, zum Beispiel vor dem Fußballspielen. Durch eine bei Gesunden harmlose Sportverletzung kann eine schwer stillbare Krampfaderblutung oder ein chronisches Unterschenkelgeschwür entstehen. Diese Gefahr sollte man nicht in Kauf nehmen.

Jede Gelegenheit zum Gehen nutzen

Gymnastik und Sport ergänzt man im Alltag zwanglos durch häufiges Gehen, das die »Venen-Muskel-Pumpe« zusätzlich trainiert. Bei alten Menschen kann der regelmäßige Spaziergang in flottem Tempo sogar den Sport (aber nicht die spezielle Gymnastik) ersetzen; wenn das körperliche Leistungsvermögen aber Sport zulässt, sollten sie trotzdem wenigstens noch leichten Sport betreiben, sofern der Therapeut das nicht ausdrücklich verbietet. Zum Gehen bieten sich zahlreiche Möglichkeiten. So kann man zum Beispiel kürzere Wege, etwa zum Einkaufen, zu Fuß zurücklegen oder wenigstens einen Teil des Wegs zur Arbeit gehen, vielleicht auch den gesamten Weg mit dem Fahrrad zurücklegen. Außerdem sollte möglichst immer auf Rolltreppen und Fahrstühle verzichtet werden, denn auch das Treppensteigen bringt die venöse Durchblutung gut auf Trab. Schließlich gehören vor allem an den Wochenenden längere Spaziergänge, ausgedehnte Wanderungen oder Radtouren zur sinnvollen Freizeitgestaltung, die Spaß macht und der Venen pflege dient. Sie soll zum gesunden Hobby werden, das man am besten gemeinsam mit der Familie, Freunden und Bekannten pflegt, um die sozialen Kontakte zu verbessern.


 

Schwangerschaftsgymnastik

Wie bereits vorher beschrieben wurde, gehört die Schwangerschaft bei entsprechender Veranlagung zu den häufigen Risiken der Beinvenenleiden. Abgesehen von der zunehmend verschlechterten Durchblutung im Beckenraum bewegen viele Schwangere sich wegen der körperlichen Schwerfälligkeit noch weniger als sonst üblich, was die Gefahr von Krampfadern, Venenentzündungen und Thrombosen zusätzlich erhöht. Diesen Risiken beugt die Schwangerschaftsgymnastik, die auch nach der Geburt noch fortgesetzt werden sollte, recht zuverlässig vor. Sie wird am besten in einem Kurs erlernt, den viele Geburtskliniken heute anbieten. Grundsätzlich nicht erlaubt sind die Übungen bei kompliziertem Verlauf der Schwangerschaft und bekannter Neigung zu Früh- und Fehlgeburten, sofern sie der Arzt nicht ausdrücklich verordnet. Abgesehen davon, dass man durch die Schwangerschaftsgymnastik Beinvenenleiden verhüten kann, kräftigt man dadurch die während der Schwangerschaft und Geburt besonders stark beanspruchten Muskelgruppen und erleichtert den Geburtsvorgang. Die anschließende Wöchnerinnengymnastik, die ebenfalls in einem Kurs unter fachmännischer Anleitung erlernt werden muss, verhindert durch die Anregung der Durchblutung die nach der Geburt immer noch möglichen Krampfadern, Venenentzündungen und Thrombosen und festigt die besonders stark strapazierte Bauch- und Beckenbodenmuskulatur rasch wieder. Neben der Gymnastik können Schwangere auch leichten Sport ausüben, vor allem Wandern, sofern der Arzt das im begründeten Einzelfall nicht ausdrücklich verbietet. Die Bewegungstherapie muss ergänzt werden durch Abbau von Übergewicht schon vor der geplanten Schwangerschaft, denn es erhöht das Risiko von Venenleiden und anderen Schwangerschaftskomplikationen.

Kieselsäure gegen Bindegewebsschwäche

Die Anlage zur Bindegewebsschwäche ist unabänderliches Schicksal. Das bedeutet aber nicht, dass dadurch tatsächlich Gesundheitsstörungen auftreten müssten. Das Bindegewebe lässt sich kräftigen und dadurch den Folgen seiner anlagebedingten Funktionsschwäche vorbeugen. Zu diesem Zweck bewährt sich vor allem die Kieselsäure sehr gut. Als Urstoff des Lebens war die Kieselsäure bereits bei der Entstehung der einfachsten Lebensformen auf unserem Planeten beteiligt. In der Erdkruste und in den Weltmeeren kommt sie als zweithäufigstes Element vor. Ihre Bedeutung für den lebenden Organismus konnte noch nicht in allen Teilen aufgeklärt werden. Fest steht inzwischen aber, dass sie zu den lebenswichtigen anorganischen Vitalstoffen gehört und in allen Körpergeweben bei vielen Funktionen mitwirkt. Insbesondere das Bindegewebe enthält reichlich Kieselsäure. Der gesunde Organismus benötigt täglich rund 30 mg Kieselsäure. Dieser Bedarf wird gedeckt, wenn die Ernährung ausreichend pflanzliche Lebensmittel enthält. Das ist bei der heute Üblichen Zivilisationskost aber nicht mehr der Fall. Deshalb kann es im Lauf der Zeit als Folge dieser falschen Ernährung zu Mangelzuständen kommen, die unter anderem Venenleiden begünstigen. Besteht anlagebedingte Bindegewebsschwäche, dann liegt der Kieselsäurebedarf von vornherein höher und normalisiert sich erst, wenn diese Funktionsschwäche beseitigt wurde.

Zur Ergänzung der Nahrung bei Bindegewebsschwäche und Kieselsäuremangel eignen sich fertige Heiltees aus kieselsäurereichen Drogen, vor allem Ackerschachtelhalm, Brennesseln und Vogelknöterich; sehr zu empfehlen sind auch Naturheilmittel mit reiner Kieselsäure und homöopathische Zubereitungen. Über das im Einzelfall am besten geeignete Heilmittel berät der Therapeut. Er muss auch den Verlauf überwachen und danach bestimmen, wie lange die Kur mit Kieselsäure dauert. Im Durchschnitt muss sie mehrere Monate lang, zum Teil sogar bis zu 2 Jahren eingenommen werden, ehe sich die Bindegewebsschwäche optimal gebessert hat. Anschließend sollte man vorsorglich 1- bis 2mal jährlich 30-60 Tage lang die Kieselsäurekur wiederholen, um Rückfälle zu vermeiden.

Bei bereits bestehenden Beinvenenleiden gibt man Kieselsäure nicht nur innerlich zur Grundbehandlung, sondern ergänzend auch äußerlich nach fachmännischer Verordnung. Selbst hartnäckige Unterschenkelgeschwüre lassen sich auf diese Weise oft erstaunlich schnell heilen. Nicht erlaubt ist die Einnahme der Kieselsäure bei Nierenleiden, wenn sie in solchen Fällen nicht ausdrücklich vom Therapeuten verordnet wird. Mit der Kieselsäure steht uns das einzige wirksame Heilmittel gegen die Bindegewebsschwäche zur Verfügung. Sie gehört deshalb praktisch immer zur Grundbehandlung von Venenleiden.

Unabhängig von der Kieselsäurekur mit Heiltees oder Arzneimitteln achtet man vorsorglich stets auf vollwertige Ernährung mit reichlich pflanzlichen (bevorzugt rohen) Lebensmitteln. Sie führen dem Körper ständig die notwendige Kieselsäure zu und enthalten darüber hinaus auch noch alle anderen lebenswichtigen Vitalstoffe und die zur Vermeidung der Darmträgheit erforderlichen Ballaststoffe.

Richtige Kleidung und Schuhwerk

Falsche Bekleidung und vor allem falsches Schuhwerk können mit zu Venenleiden beitragen. Deshalb verdienen sie im Rahmen der Vorsorge und ergänzenden Behandlung einige Aufmerksamkeit. Für die Kleidung gilt ein einfacher Grundsatz: Sie muss gut passen und darf den Blutstrom in den Venen auch bei längerem Sitzen nicht behindern. Das erfordert also den Verzicht auf zu enge Hosen, Röcke und Gürtel, Korsagen, Strumpfhalter, Strümpfe und andere beengende Kleidungsstücke. Vor allem in der Freizeit sollte man stets locker sitzende, legere Kleidung bevorzugen; im Berufsalltag wird man zum Teil einige Zugeständnisse machen müssen, die aber nie zu Lasten der Gesundheit gehen dürfen. Bei etwas Überlegung lässt sich immer ein Kompromiss zwischen moderner und bequemer Kleidung finden.

Nicht vergessen werden darf die Nachtkleidung, die man immerhin rund 1/3 des Tages trägt. Einschnürende Gummizüge und ähnliche Fehler behindern die wichtige Entleerung der Venen in der Nacht und fördern so Krampfadern und deren Folgekrankheiten. Deshalb muss man auch bei der Nachtkleidung unbedingt auf bequemen Sitz achten.

Das Schuhwerk muss ebenfalls bequem sitzen und darf die Durchblutung nicht einschränken. Die Schuhe mit hohem Absatz sollten allenfalls kurzfristig einmal aus besonderem Anlass getragen werden. Im Alltag bevorzugt man niedrige oder absatzlose Schuhe. Bei entsprechender Witterung empfehlen sich zumindest in der Freizeit auch die offenen Sandalen, die vorne bei den Zehen einen Wulst aufweisen müssen, damit die Fußmuskulatur mit jedem Schritt trainiert wird. Zu Hause kann man diese Sandalen ständig tragen, wenn man es nicht vorzieht, barfuß zu laufen. Auch wenn Bekleidung und Schuhwerk als Ursachen der Beinvenenleiden natürlich keine so hervorragende Rolle wie der Mangel an Bewegung spielen, kann man doch sagen, dass der Erfolg der Vorbeugung oder Behandlung mit von der richtigen Kleidung und gesunden Schuhen abhängig ist.

Kaltes Wasser erhöht die Spannkraft

Wie schon beim Schwimmsport erklärt wurde, erzielt man durch den Kältereiz des Wassers eine Zusammenziehung der Venen, die den Blutstrom nach oben fördert und die Funktionsfähigkeit der Venenklappen verbessert. Bei ausreichend langer, regelmäßiger Anwendung kann das kalte Wasser die Spannkraft der Venenwände deutlich verbessern. Da Wärme die Venen erschlaffen lässt, verwendet man das Wasser grundsätzlich immer nur kalt. Allenfalls bei überempfindlichen Menschen, deren Gefäße nicht auf Anhieb richtig reagieren, kann es anfangs notwendig sein, zunächst ein warmes Unterschenkelbad durchzuführen, damit die nachfolgende Kaltwasserbehandlung vertragen wird. Sobald man sich an die Kaltwasserbehandlung gewöhnt hat, wird diese Vorwärmung überflüssig; anstelle des warmen Bads kann man vor der Kaltwasserbehandlung dann durch Gymnastik und Sport für gute Durchwärmung des Körpers sorgen, was als aktive Therapie meist besser als die passive Wärmezufuhr von außen wirkt. Es versteht sich von selbst, dass auch der Raum, in dem behandelt wird, ausreichend warm sein muss. Die Dauer der Wasseranwendung richtet sich nach dem Eintritt der Reaktion und ist unterschiedlich lang. Als Reaktion kommt es oft zu einem kurzen, schneidenden Kälteschmerz, dem rasch die angenehme Erwärmung folgt. Damit beendet man die Behandlung und streicht das Wasser oberflächlich von der Haut ab, zieht bequeme Haus- oder Sportkleidung (Jogginganzug, Bademantel und ähnliches - möglichst aus Baum wolle oder Leinen) an und sorgt durch Gymnastik dafür, dass die Haut gut durchblutet bleibt und unter der Kleidung rasch abtrocknet.

Knie- und Schenkelguss

Die Güsse führt man zu Hause in der Badewanne durch. Dazu wird der Brausekopf abgeschraubt und ein Gummischlauch aufgesteckt, denn mit der Handbrause erzielt man nie den zur Wirkung notwendigen geschlossenen Wassermantel auf der Haut. Zur Behandlung hält man die Mündung des Schlauchs in 5-10 cm Entfernung vom Körper nach unten. Die Reihenfolge der Begießung muss genau eingehalten werden, davon hängt die Wirkung mit ab.

Knieguss: Dieser Guss beginnt am rechten Fuß; zunächst begießt man den Fußrücken 3mal vor und zurück, dann führt man den Wasserstrahl langsam außen an der Wade empor bis zur Kniekehle, wartet hier 10 Sekunden und kehrt dann innen am Unterschenkel zurück zum Fuß. Das linke Bein wird in der gleichen Weise begossen. Anschließend leitet man den Wasserstrahl vorne am rechten Bein innen neben dem Schienbein aufwärts bis zur Kniekehle, wo man wieder 10 Sekunden wartet, um dann außen neben dem Schienbein zum Fuß zurückzukehren. Sinngemäß behandelt man danach das linke Bein von vorne. Das Schienbein darf nie begossen werden, das hilft nichts und kann zu erheblichen Schmerzen führen.

Schenkelguss: Der Wasserstrahl wird vom rechten Fuß hinten außen am Bein bis zur Hüfte emporgeführt; hier verweilt man 10 Sekunden und kehrt dann innen am Bein zum Fuß zurück. Das linke Bein wird in gleicher Weise begossen. Dann führt man den Strahl vorne am rechten Bein innen neben dem Schienbein empor bis zur Leistenbeuge und kehrt außen neben dem Schienbein zurück zum Fuß. Das linke Bein wird von vorne in gleicher Weise behandelt. Zur Vorbeugung von Beinvenenleiden wendet man Güsse l-mal täglich an, zur Behandlung 2 bis 4-mal am Tag. Der Schenkelguss wirkt stärker, weil dabei eine wesentlich größere Hautzone behandelt wird.

Kalte Fußbäder

Zur Behandlung setzt man sich auf einen Stuhl, vor dem eine ausreichend hohe, mit kaltem Wasser gefüllte Fußbadewanne steht; zur Not genügt anstelle der speziellen Wanne auch ein großer Eimer. Beide Beine werden gleichzeitig ins Wasser eingetaucht. Die Reaktion tritt nach wenigen Sekunden mit angenehmer Erwärmung der Beine ein; damit beendet man die Behandlung.

Nach dem Fußbad streicht man das Wasser oberflächlich von der Haut ab, kleidet sich an und treibt Gymnastik. Fussbäder werden zur Vorbeugung 1-mal täglich, zur Behandlung 2 – 4-mal am Tag angewendet.

Wassertreten

Wer Gelegenheit dazu findet, kann Wassertreten in einem Bach durchfuhren; das fließende naturkalte Wasser wirkt am besten. Man kann aber auch zu Hause in der Badewanne Wassertreten. Dazu füllt man die Wanne bis zur Wadenmitte mit kaltem Wasser und geht darin wie ein Storch auf und ab, hebt also bei jedem Schritt einen Fuß ganz aus dem Wasser. Die Reaktion tritt nach durchschnittlich 2 Minuten mit kurzem, stechendem Kälteschmerz ein, dem die rasche Erwärmung folgt. Wassertreten sollte man mindestens 1-mal täglich zur Vorbeugung, bis zu 3mal täglich zur Behandlung von Beinvenenleiden. Am Abend vor dem Schlafengehen durchgeführt, fördert das Wassertreten gleichzeitig den Schlaf. Zum Tautreten läuft man barfuß durch taufeuchtes Gras, bis nach 3-4 Minuten die Reaktion eintritt. Da der Tau nur morgens auf dem Gras liegt, lässt sich diese Anwendung aber nur l mal am Tag durchführen.

Im Winter kann man barfuß durch den frisch gefallenen Schnee gehen (nie durch verharschten Schnee, sonst besteht Verletzungsgefahr); die Wirkung setzt wegen des stärkeren Kältereizes bereits nach etwa 1 Minute ein. Davon abgesehen empfiehlt es sich, so oft wie möglich barfuß zu laufen, vor allem natürlich zu Hause, weil man dadurch ebenfalls die venöse Durchblutung der Beine anregt.

Hochlagern der Beine

Wenn die Beine hochgelagert werden, muss das Blut in den Venen nicht die Schwerkraft überwinden und fließt deshalb beschleunigt in Richtung Herz. Die Krampfadern entleeren sich also, und die Gefäßwände werden entlastet. Daher sollte man im Tagesverlauf zwischendurch immer wieder einmal die Unterschenkel hochlagern. Dazu darf aber kein Keilkissen und auch keine Knierolle verwendet werden, denn beide winkeln die Beine so ungünstig ab, dass der Blutstrom noch stärker behindert wird. Am besten legt man sich flach auf den Boden und legt die Beine gerade ausgestreckt auf einen 20-40 cm hohen, an der Kante mit einem Kissen gepolsterten Hocker. Regelmäßig durchgeführt, erreicht man auf diese einfache Weise eine gute Vorbeugung oder Besserung der Krampfadern. Besonders die rasch eintretende Entmüdung der schweren Beine wird als wohltuend empfunden. Die Hochlagerung soll mindestens mittags und am frühen Abend - besser bis zu 4-mal täglich - für je 5-8 Minuten durchgeführt werden. Danach steht man nicht sofort auf, sonst kann das Blut in den Beinen versacken; vielmehr dehnt, streckt und räkelt man sich ausgiebig am Boden und erhebt sich erst dann langsam.

Während der Nacht muss man natürlich nicht auf der einfachen schrägen Ebene schlafen oder die Beine auf andere Weise hochlagern, das könnte den Schlaf erheblich stören. Deshalb erhöht man einfach das ganze Bett am Fußende um etwa 30 cm, so dass es insgesamt eine schräge Ebene bildet. Dazu gibt es im Fachgeschäft geeignete Halterungen für die Bettpfosten, man kann aber auch nur stabile Holzklötze unter das Fußende des Betts schieben.

Die nächtliche Hochlagerung der Beine für rund 7-8 Stunden entstaut die Beinvenen besonders gut und sollte deshalb von jedem Patienten mit Krampfadern, bei bekannter Veranlagung dazu aber auch schon vorbeugend durchgeführt werden.