Krampfadern

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Das Venensystem

Zum besseren Verständnis der Krampfadern (Varizen) soll einleitend kurz das Venensystem beschrieben werden. Es lässt sich allerdings nicht isoliert vom übrigen Herz-Gefäß-System betrachten, auf das wir ebenfalls eingehen werden. Im Mittelpunkt des Herz-Gefäß-Systems befindet sich das Herz. Durch rhythmische Zusammenziehung und Erschlaffung bewegt diese Muskelpumpe das Blut in den Gefäßen und erhält so den Kreislauf aufrecht. Er wird in den Körper- und Lungenkreislauf unterteilt; beide bilden aber eine Funktionseinheit, die getrennte Darstellung erfolgt deshalb nur aus methodischen Gründen. Bei den Gefäßen unterscheidet man Arterien, Venen und Kapillaren.

 Der Kreislauf beginnt mit der linken Herzkammer, die das sauerstoffreiche Blut durch eine ventilartige Klappe in die große Körperhauptschlagader (Aorta) pumpt. Von der Aorta zweigen viele andere Arterien ab und verteilen das Blut im ganzen Körper.

Die Arterien sind 1 mm - 3 cm dick. Ihre Wand besteht aus einer dünnen Innenschicht, der elastisch-muskulösen Mittelschicht und der bindegewebigen äußeren Schicht, in der Nerven und kleine Blutgefäße zur Versorgung der Gefäßwand verlaufen. Durch die Arterien gelangt das Blut zu den Kapillaren. Sie sind nur 0,005-0,03 mm dick und bestehen lediglich aus einer Wandschicht, die der dünnen Innenschicht der größeren Arterien entspricht. Durch diese Wand können Sauerstoff und Nahrungsbestandteile aus dem Blut in die Gewebe übertreten; umgekehrt nimmt das Blut durch die Kapillarwände Schlacken und Kohlendioxid auf, die beim Zellstoff Wechsel entstehen.

Zum Teil bestehen zwischen den Arterien und Venen auch direkte Verbindungen zur Umgehung der Kapillarnetze. Größtenteils gelangt das mit Schlacken und Kohlendioxid beladene Blut aber erst nach den Kapillaren ins Venensystem. Dieses verläuft immer Richtung Herz. In den beiden großen Hohlvenen wird das gesamte Blut gesammelt und fließt zunächst den rechten Vorhof des Herzens. Von hier aus wird es durch eine Herzklappe in die rechte Herzkammer und durch eine weitere Klappe in die Lungenarterie gepumpt; damit beginnt der Lungenkreislauf.

Im Gegensatz zu den Arterien des Körperkreislaufs, die sauerstoffreiches Blut führen, enthält die Lungenarterie also sauerstoffarmes, mit Schlacken angereichertes Blut, das im Körperkreislauf durch die Venen strömt. Diese Besonderheit erklärt sich daraus, dass alle Blutgefäße, die vom Herzen wegführen - also auch die Lungenarterie - unabhängig vom darin fließenden Blut als Arterien bezeichnet werden. Auf seinem Weg durch die Kapillarnetze der Lungen gibt das Blut Kohlendioxid ab und nimmt Sauerstoff auf. Dann gelangt das sauerstoffreiche Blut über die Lungenvenen in den linken Vorhof des Herzens und durch eine Herzklappe in die linke Herzkammer, wo der Körperkreislauf erneut beginnt.

Krampfadern entstehen ausschließlich an den Venen, und zwar überwiegend an denen der Beine. Lediglich bei einer Sonderform treten sie an den Venen der Speiseröhre und auf den Bauchdecken auf. Dahinter steht dann eine schwere Erkrankung der Leber (meist Leberzirrhose) mit Blutstauungen, die sich über die Pfortader bis in die Speiseröhren- und Bauchdeckenvenen fortsetzen. Diese Pfortader bildet ein Gefässnetz, das die Leber mit den anderen Verdauungsorganen und der Milz verbindet; sie stellt sicher, dass die Nahrungsbestand teile auf kürzestem Weg aus den Verdauungsorganen zur chemischen Weiterverarbeitung der Leber ab »Zentrallabor« Körpers zugeleitet werden.

Auf die Krampfadern der Speiseröhre, die sogar platzen und zu lebensgefährlichen Blutungen führen können, und auf die der Bauchdecken soll nicht weiter eingegangen werden, denn dabei handelt es sich um die Komplikationen eines Leberleidens. Hier sprechen wir nur von den verbreiteten Krampfadern der Beinvenen.

Anatomie der Venen

Die Venenwand besteht wie die der Arterien aus den folgenden 3 Schichten:

• Intima, die Innenschicht, die aus glattem Gewebe (Endothel) besteht, das dem Blutstrom kaum Reibungswiderstand entgegensetzt.

• Media, die mittlere Schicht, die aus Bindegewebs- und (weniger) Muskelfasern zusammengesetzt ist und sich elastisch der Durchblutung anpasst; dadurch wird es möglich, dass sich die Venen entsprechend der Blutzufuhr erweitern und dabei als Blutspeicher wirken oder sich verengen und mehr Blut nach oben weiterleiten; die Störungen dieser elastischen Anpassung der Venen an den Blutandrang spielt bei der Entwicklung von Krampfadern eine entscheidende Rolle.

• Adventitia, die äußere Schicht der Venenwand, die Nerven und kleine Blutgefäße zur Versorgung der Gefäßwand aufnimmt.

Da in den Venen die Pulswelle aber kaum noch wirksam ist sind ihre Wände insgesamt wesentlich dünner als die der Arterien; insbesondere die Mittelschicht, die bei den Arterien die Pulswelle elastisch auffängt, ist schwächer ausgebildet. Am dicksten sind die Wände der Beinvenen, denn sie müssen vor allem im Stehen einen höheren Druck aushalten.

In den Venen der Beine und des Becken-Bauch-Raums fließt das Blut entgegen der Schwerkraft nach oben zum Herzen. Um zu verhindern, dass es nach unten versackt, befinden sich im Innern dieser Venen taschenartige Falten aus Gefäßinnen haut. Sie lassen das Blut nur in eine Richtung - nach oben -durch. Wenn es aus der anderen Richtung auf die Venenfalten trifft, füllen sie sich so mit Blut, dass sie sich entfalten und wie ein Ventil den Rückfluss verhindern. Diese Falten, die man als Venenklappen bezeichnet, spielen bei der Entstehung von Krampfadern ebenfalls eine wichtige Rolle. Besonders häufig kommen sie in den Venen dort vor wo eine in die andere einmündet. Sie verhindern hier, dass das Blut an der Mündung in eine falsche Richtung strömt. An den Beinen unterscheidet man 2 Venensysteme. Das oberflächliche befindet sich im Fettgewebe unter der Haut und ist auch bei Gesunden teilweise mehr oder weniger deutlich von außen zu erkennen. In der Tiefe zwischen den Beinmuskeln verläuft das tiefe Beinvenensystem. Es steht mit dem oberflächlichen durch Quervenen in enger Verbindung. Die oberflächlichen Beinvenen münden in der Leistengegend in die Tiefe Venensystem ein. Während die tiefen Venen rund 90 % des Bluts in den Beinen nach oben transportieren, nehmen die oberflächlichen nur die restlichen 10 % Blut auf.

Aufgaben und Funktionsweise

Die Beinvenen leiten das mit Kohlendioxid und Schlacken angereicherte, sauerstoffarme Blut gegen die Schwerkraft hinauf zum Herzen; von dort aus gelangt es dann zur Anreicherung mit neuem Sauerstoff in die Lungen. Dieser Blutstrom in den Venen nach oben erfolgt nicht mehr durch den Druck, den das Herz in den Arterien ausübt, denn dieser wird in den Kapillarnetzen praktisch auf null reduziert. Deshalb muss das Blut in den Venen auf andere Weise in Gang gehalten werden. Dazu ließ sich die Natur die folgenden Lösungen »einfallen«:

 • Bei jedem Atemzug üben Lungen und Zwerchfell einen Sog auf das Blut in den Venen aus, der desto stärker ist, je tiefer eingeatmet wird; er allein reicht jedoch nie aus, um das Blut in den Venen nach oben zu transportieren, sondern wirkt nur als eine Art »Hilfsmotor«; gerade beim heutigen Menschen, der oft hektisch-oberflächlich atmet, trägt die Atmung nur noch wenig mit zum Blutstrom in den Venen bei.

 • In den oberflächlichen Hautvenen hilft der äußere Luft druck ein wenig mit beim Transport des Venenbluts zum Herzen, aber er genügt noch lang nicht, um einen ausreichenden Blutstrom in Gang zu halten.

 • Viel wichtiger als die bisher genannten beiden Mechanismen sind die Pulswellen in den Arterien; viele befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Venen, so dass es bei den Schwingungen der Arterien wand durch den Pulsschlag zum Druck auf die Venenwand kommt, der das Blut weiter nach oben bewegt.

 • Wichtigster »Motor« für den Blutfluss in den Venen sind aber die benachbarten Muskeln. Immer wenn ein Muskel sich bei einer Bewegung zusammenzieht, verdickt er stell und übt dabei auf die Venen in der Nachbarschaft Druck aus. der das Blut nach beiden Seiten wegdrückt; der nach unten gedrückte Blutstrom wird aber gleich durch eine Venenklappe aufgefangen, während der nach oben gerichtete die Venenklappe passieren kann. Dieser Mechanismus wird anschaulich als Venen-Muskel-Pumpe bezeichnet und ist beute bei vielen Menschen wegen der verbreiteten Bewegungsarmut verkümmert; zwar arbeitet diese »Pumpe« schon bei der geringsten Bewegung, also auch dann, wenn man keine Gymnastik und keinen Sport betreibt, aber dadurch erreicht man noch keinen optimalen Blutstrom in den Venen.

Diese Funktionsweise der Venen ist von entscheidender Bedeutung für die Entstehung von Krampfadern.